• Amon Thein

Warum unser Azubi mitten in der Ausbildung ein Sabbatical macht

Aktualisiert: 11. Okt.

Unser Azubi Julian befindet sich auf einer Fahrradreise durch Südamerika. Im diesem Interview erzählt er euch, was er plant und was ihn zu einem Sabbatical während der Ausbildung bewogen hat.


Amon: Als erstes würde mich natürlich brennend interessieren, warum du ausgerechnet in deiner Ausbildung ein Sabbatical machst.

Julian: Da muss ich sofort auf die Frage kommen, warum ich überhaupt hier bei euch bei Schwarzseher gelandet bin! Ich habe immer gerne Dokus geguckt, auf ARTE, und egal was ich beruflich gemacht habe, mein eigentlicher Antrieb war immer, in die Filmbranche zu kommen, um Leute wie dich kennenzulernen, um die Fertigkeiten zu erlernen die es braucht um Filme produzieren zu können. Solche Dokus wie die auf ARTE, mit Abenteuer-Reisen und am besten noch mit dem Rad kombiniert...das hat mich immer sehr fasziniert. Und daher war mein Plan, das zu lernen und möglichst bald eine eigene Abenteuerreise zu machen. Am besten beides bei euch. Und ihr habt ja gesagt. Deshalb kann ich jetzt in mein Projekt in Südamerika starten.


Amon: Und wie geht es dir mit deiner Entscheidung, so kurz vor dem Start?

Julian: Gut! Ich freue mich drauf. Filmemachen ist für mich so cool, weil man geile Bilder drehen kann. Das ist so ein schönes Gefühl, wenn wenn man mit der Zeit immer weiter an das cineastische, das schöne Bild ran kommt um damit Emotionen einzufangen, Werte zu vermitteln, Informationen rüberzubringen...und das Ganze dann künstlerisch noch verpacken zu können, ist natürlich ultimativ krass. Und das darf ich jetzt in Südamerika machen, das ist toll für mich. Die Unterstützung bei Schwarzseher war auch super, das ist natürlich wichtig, aber die letzten Tage waren schon richtig aufregend in der direkten Vorbereitung meiner Reise.


Amon: Woher kommt das, dass du so sehr das Abenteuer in der Natur suchst?

Julian: Das hat auch mit meiner Familie zu tun, weil wir immer draußen waren, das hat mich sehr geprägt. Wenn da ein Wald ist, dann muss ich da rein. Ich verstehe gar nicht, wenn jemand da nicht rein will und nur am Strand bleiben möchte, zum Beispiel im Urlaub. Und es gibt nichts auf der Welt, was mich mehr antreibt, als in der Gegend herumzufahren, ohne zu wissen, wo genau ich hinfahre. Hinter die Kurven schauen, neue Dinge entdecken und Menschen kennenlernen. Ich habe das nach der Schule gemacht und während des Studiums, war in Südostasien und da bin ich zum Beispiel von Bangkok nach China gefahren. Das war toll. Das Rad, diese Momente, wenn du einfach fährst und dann nicht mal weißt, wo du schläfst. Du weißt auch nicht, wo du dein Essen bekommst. Das macht was bei mir. Der Alltagsstress hört auf, nur noch diese elementaren Bausteine: Essen, trinken, schlafen. Dieses Abenteuer wollte ich schon immer erleben und gleichzeitig filmen.


"Das Rad, dann diese Momente, wenn du einfach fährst und dann nicht weißt, wo du schläfst. Du weißt auch nicht, wo du dein Essen bekommst. Das ist so ein Antrieb bei mir. Der Alltagsstress hört auf, nur noch diese elementaren Bausteine: Essen, trinken, schlafen. Dieses Abenteuer wollte ich schon immer erleben und gleichzeitig filmen." — Julian, Azubi Schwarzseher

Amon: Wie war das für dich, uns als deinen Arbeitgeber zu fragen, ob wir dir in der Ausbildung ein Sabbatical ermöglichen? Das ist ja schon sehr ungewöhnlich...

Julian: Also schon im Praktikum vor der Ausbildung habe ich mein Projekt angesprochen, Schwarzseher wusste also Bescheid und ich habe das Signal bekommen, dass das eine Option ist. Alle Kolleg:innen waren interessiert teilzuhaben an dem Filmprojekt und sehr gespannt, was daraus werden kann, so habe ich das wahrgenommen. Und jetzt lässt mich Schwarzseher diese Fahrt machen - und ist sogar noch Koproduzent. Das ist wirklich ungewöhnlich, weil ich ja sechs Monate nicht vor Ort bin, kann also nicht als Arbeitskraft helfen - und werde trotzdem weiterbezahlt.


Amon: Was glaubst du wird für dich und was für unser Unternehmen dabei herausspringen? Was könnte der Vorteil sein?

Julian: Ich glaube, dass es sich total lohnt für beide. Ich werde ein halbes Jahr konzentriert jeden Tag an einem Film drehen und dabei viel lernen. Beim Lernen geht es ja auch darum, das gelernte anzuwenden. Und wenn man das dann ohne Zeitdruck macht, dann geht es voll ins Blut. Am Set auf der Arbeit hat man auch mal Stress, muss Sachen schnell und effektiv drehen und filmisch erzählen. Da lernt man natürlich extrem viel und gleichzeitig fehlt manchmal die eine Stunde mehr, um es als jemand der da gerade neu rein kommt perfekt zu verinnerlichen. Bei diesem Projekt, da werde ich mir diese Zeit nehmen die manchmal im Film-Alltag fehlt, kann mir für eine Aufnahme ein oder zwei Stunden nehmen. Genau das werde ich tun. Ich glaube, das wird sich gut ergänzen!


Amon: Und schon allein die Entwicklung des Projektes, inhaltlich und mit der Sponsorensuche, das sind alles Dinge, die dich bestimmt in deinem Lernfluss weiterbringen, oder?

Julian: Absolut! Darum geht es ja auch in der Ausbildung zum Mediengestalter Bild & Ton, man soll alles beherrschen lernen, von der Konzeption über die Umsetzung. Da hast du mich unterstützt bei der Konzeptentwicklung, hast mir Kontakte zu anderen Dokumentarfilmer:innen gegeben und auch meine Kolleg:innen haben mir sehr geholfen, wo es nur ging. Ebenso bei der Sponsorensuche.


Schwarzseher leiht mir auch Material. Ich darf Mikros mitnehmen, Speichermedien, darf die Cloud benutzen und nicht zu vergessen: wir produzieren zusammen den Film! Das ist schon cool, dass ihr das alles mitmacht. Gleichzeitig werde ich Social Media bedienen, von der Reise berichten, Formate ausprobieren.


Amon: Worum wird es dir nun in deinem Projekt gehen - magst du kurz davon erzählen? Was hast du genau vor?

Julian: Ich werde eine Radtour durch Südamerika machen. Ich werde in Bogota starten, mein Ziel ist Amazonien. Ich war zwar noch nie da, aber mich zieht es schon immer in den Urwald. Ich weiß nicht warum, aber das grüne, die Tiere, der Regenwald, die Flüsse, ich muss dahin, ich muss ins Wasser, ich muss in den Wald rein.


Das Ganze werde ich selbst mit der Kamera begleiten und am Ende ist es gleichzeitig auch ein Crowdfunding-Projekt für ein Regenwald-Projekt. Ich werde auf Instagram während der Tour viel eigenen Content posten und für das ausgewählte Projekt Werbung machen. Aber mein großes Ziel ist es, einen alleinstehenden Dokufilm über diese Reise zu machen, jeden Tag ein kleines bisschen mehr.


Amon: Was hat dich dazu bewegt und welches Projekt wird das sein?

Julian: Weil mir der Regenwald wichtig ist. Ich glaube, für mich ist es auch ein bisschen egoistisch, weil ich in dem Regenwald ein Abenteuer-Potenzial für mich selbst sehe. Aber er steht ja für etwas viel größeres, für Biodiversität die verloren geht, für das Klima, für viele Dinge, die falsch laufen. Wenn man mal wirklich weiterdenkt, dann ist es schrecklich, was da passiert. Eine Katastrophe für uns alle. Ich habe viel telefoniert und festgestellt: es gibt viele Umweltorganisationen, die ihre Aufgabe eher im Marketing für die Sache sehen, von oben schauen, aber keine Projekte vor Ort haben, mit den Menschen zusammen die dort betroffen sind. Hilfe zur Selbsthilfe ist mir wichtig. Da bin ich auf das Regenwald-Institut gestoßen, die vor Ort ein Projekt haben, das spannend klang. Sie haben ein unberührtes, 24 km² großes Regenwaldgrundstück gekauft und werden es zusammen mit der nahegelegenen Dorfgemeinschaft nachhaltig nutzen und dadurch dauerhaft unter Schutz stellen. Das will ich mit einem Crowdunding während der Reise unterstützen, dass auch schon gestartet ist. Und natürlich idealerweise vor Ort das Projekt kennenlernen.

Amon: Wie wirst du das angehen, die Reise und das Crowdfunding?

Julian: das Crowdfunding läuft auf gofundme und da ist auch schon ein wenig zusammengekommen, das wird hoffentlich noch mehr. Mein Ziel sind 10.000 €. Aber da ist auch so ein kleiner Bildungsauftrag dabei. Wenn wir Social-Media-Beiträge machen und Know-how und Fakten mit ins Spiel bringen, mit dem Institut zusammen. Dann werde ich auf jeden Fall nach Amazonien reisen, so weit wie ich komme. Ich werde dann zum ersten Mal sehen, was da aktuell zerstört wird. Wenn man weiterdenkt, dann ist tatsächlich der Regenwald das letzte Rädchen, wo der Mensch noch aktiv dagegen steuern kann. Die Polkappen schmelzen, das können wir nicht mehr aufhalten. Und dieser Prozess des Klimawandels, der ist schon losgetreten, den können wir ja kaum aufhalten an vielen Stellen. Aber beim Regenwald, da können wir noch was machen. Wenn wir den nicht abholzen, dann behalten wir diesen wichtigen Klimaeffekt bei, der durch den Regenwald erzeugt wird.

Amon: Was wird dich dort erwarten?

Julian: Ja, das kann schon krass werden. Ich habe neulich eine Frau kennengelernt, die dort arbeitet und sie sagt, diese Regionen im Amazonas sind wie der Wilde Westen. Da sind so ein paar Parteien, die sich gegenüberstehen und da gilt das Recht des Stärkeren. Es ist wichtig, dass man versteht, wer wirklich was bewegen kann und will. Da gibt dieses Krombacher-Beispiel, die völlig ohne Konzept rangegangen sind. Einfach sagten: "wir kaufen das". Du musst den Wald auch vor Ort schützen, da Leute haben, die dort leben und ihn im Blick haben, weil die Goldgräber, die Holzfäller, die stören sich nicht dran, ob ein Brauer aus Deutschland das auf dem Papier gekauft hat.


Amon: Und wie hast du dich vorbereitet?

Julian: Ich habe viel Equipment besorgt, entweder selbst gekauft oder Sponsoren gefunden. Dann habe ich mich natürlich über die Reiseziele informiert. Ich hatte drei Optionen und Südamerika war letztendlich meine Wahl. Einerseits, weil es für mich und das Projekt perfekt ist, weil dort die Anden sind und der Amazonas. Andererseits, weil man für die Länder jeweils drei Monate Visa bekommt, was es einfacher macht. Ich habe noch keine Route, keine konkrete, aber das ist auch Teil der Doku, weil dieses von A nach B in wenigen Stunden, das ist super stressig und das ist eigentlich genau das, was ich nicht haben möchte. Ich will ja ein Abenteuer erleben und die Freiheit haben, spannendes am Wegrand zu entdecken. Naja, und dann eben versicherungstechnischen Sachen. Ich habe sogar extra ein Gewerbe gegründet dafür, weil ich sonst keine Sponsorengelder annehmen darf. Also der Rattenschwanz geht bis zum Mond...


Amon: Was wünschst du dir, wie das am Ende gelaufen ist?

Julian: Also auf jeden Fall, dass das Spenden-Projekt sein Ziel erreicht hat. Und noch mehr Menschen, die verstanden haben, warum man den Regenwald schützen sollte. Am besten hat es viele erreicht und der Film, der gedreht wird, wird cool und gefällt mir selbst und auch anderen. Und vielleicht das mein Content gut ankommt, Social-Media ist für mich selbst noch so eine Box, die geöffnet werden muss, wie für viele unserer Kunden bei Schwarzseher auch. Da lerne ich gleich für meinen Job mit.


Amon: Letzte Frage, Julian. Wie kann man dir folgen und wie dich unterstützen bei deinem Abenteuer?

Julian: auf Instagram bin ich zu finden, da werde ich immer mal wieder posten, und auf gofundme, wo die Crowdfunding-Kampagne ist. Ich freue mich über jede Unterstützung und jeden Like!


Amon: Ich wünsche dir ganz viel Erfolg und bin schon gespannt, zu wem du dich entwickelt hast nach diesem Abenteuer.

Julian: Ich auch! Danke...und bis bald!


Im ersten Teil dieser kleinen Reihe habe ich beschrieben, wie es dazu kam dass Julian ein Sabbatical macht und wie wir als Team damit umgegangen sind. Später werde ich mit ihm einchecken, in Südamerika, und euch berichten, wie es ihm ergangen ist. Bleibt also gerne dran! Abonniert dafür gerne unseren Newsletter um auf dem Stand zu bleiben, dort bekommt ihr auch regelmäßig Hacks, Tipps und neue Tools für Video und Social Media.


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